Barbaras Auswärtsspiel

7.12.2012

Ich bin dann mal weg…

Goodbye Nudity

...it’s the law, once again!

Am 1. Januar 2012 traten in Kalifornien und den verschiedenen Städten und Gemeinden eine Menge neuer Gesetze in Kraft. Sie gingen durch die Presse, wie man das auch in Deutschland gewohnt ist, wenn es Neuerungen gibt.

Über ein Gesetz stolperte ich. Es war das Gesetz, dass Nackte in San Francisco sich nicht mehr ohne adäquate Unterlage auf öffentlichen Sitzgelegenheiten niederlassen dürfen. Es wurde dazu erklärt, dass sich ein Nackter ein Handtuch oder mindestens eine Zeitung unterlegen muss, bevor er sich auf eine Parkbank, einen Caféstuhl oder im Bus setzt.

Ich wunderte mich, denn solch ein Gesetz macht nur Sinn, wenn es nicht verboten ist, nackt zu sein.

Bisher ging ich davon aus, dass Nacktheit in Amerika strikt verboten sei. Es gibt in den USA Staaten, in denen darf man noch nicht mal einem Schneemann Brüste modellieren, ohne ihm ein Bikinioberteil anzuziehen und Aufklärungskinderbücher zensiert werden aus Angst vor der nackten Wahrheit.

Kalifornien ist nicht ganz so prüde und San Francisco im Speziellen ist die Hochburg der Liberalität und Toleranz. Ich war zwar erstaunt, doch auch erfreut, denn genau das macht San Francisco so besonders. Vorreitergesetze und Akzeptanz von Ungewöhnlichem. Die Einführung von selbstmitgebrachten Taschen beim Einkauf hat auch seinen Ursprung in San Francisco. Es ist noch lange nicht überall üblich, aber San Jose hat auch schon solch ein Gesetz.

Nicht, dass ich ein Befürworter der öffentlichen Nacktheit bin, im Gegenteil, es lenkt mich furchtbar ab. Am Strand ist es ok, aber schon am eigenen Frühstückstisch fällt es mir schwer, mich unbefangen auf meine Tasse Kaffee zu konzentrieren und da wären es nicht mal Fremde. Auf der Straße irritiert es mich.

Als Adam und Eva in hohem Bogen aus dem Paradies flogen, weil sie vom Baum der Erkenntnis genascht hatten, war es vorbei mit der unbefangenen Nacktheit der Menschheit.

Biblisch gesehen ist die verlorene Unschuld und die gewonnene Erkenntnis für die Scham verantwortlich. Vielleicht ein Grund warum kleine Kinder und Putten nackt akzeptiert werden. Ich bin davon überzeugt, dass in anderen Kulturen andere Geschichten erzählt werden, wie oder warum die Scham entstand.

Die persönliche Ausprägung der Scham variiert sehr stark. Es gibt sowohl übertriebene Scham, wie auch übertriebene Freizügigkeit. Das eine nennen wir verklemmt, das andere Exhibitionismus und die Variationen dazwischen gehen ins Unendliche.

Zurück nach San Francisco. Denn genau diese persönliche Ausprägung scheint hier das Problem zu sein.

San Francisco ist tolerant, liebevoll nennen wir es schon mal, das Köln von Amerika.

Fährt man durch die Stadt, sieht man überall die Regenbogenfahne hängen.

Bei Wikipedia steht, dass die
Regenbogenfahne in vielen Kulturen ein Zeichen der Toleranz, Vielfältigkeit, Sehnsucht und Hoffnung ist.

Seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es die 7 farbige Fahne der italienische Friedensbewegung PACE.

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Bild: Google sei Dank! Quelle

Inzwischen ist sie in vielen Kirchen auch außerhalb Italiens zu sehen. Ich sah sie in Aachen, Berlin und Palo Alto und musste Menschen erklären, dass es sich hierbei nicht um die Fahne der Homosexuellen handelt, die offenbar jeder kennt und die fast genauso aussieht. Sie hat nur sechs Farben, hellblau fehlt, die in umgekehrter Reihenfolge angeordnet sind, als bei der Pacefahne.


Die Fahne der Homosexuellen ist ein Zeichen von Stolz und der Vielfalt dieser Lebensweise und wurde 1978 von Gilbert Baker entworfen. Als im November desselben Jahres Harvey Milk, ein offen schwul lebendes Stadtrat Mitglied in San Francisco ermordet wurde, wurde die Fahne 1979 bei dem Protest- und Trauermarsch zum Symbol der Gay-Bewegung. Gay heißt schwul, aber auch bunt, heiter und farbenfroh...

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Die Gay-Flag auf der Market Street in San Francisco, groß und bunt!


Man sieht sie überall in San Francisco, ich finde sie wunderschön und ebenso die Bedeutung von Vielfalt, Stolz und Toleranz. In San Francisco leben viele Schwule offen, die jährliche gay-pride Parade ist weltberühmt und das Stadtviertel Castro wird auch Schwulenviertel genannt. Die große Regenbogenfahne auf der Market Street flattert als stolzes Symbol.

Eben in Castro fing die Diskussion an. Es gibt eine Gruppe, die naked guys, die dort immer nackt sind. Das nahm solche Ausmaße an, dass sich Anwohner massiv beschwerten. Der selber schwule Stadtverordnete Scott Wiener, auch schon verantwortlich für das Gesetz mit den Unterlagen, brachte einen Entwurf zum Bann der Nacktheit in San Francisco hervor.

Es gab heiße Diskussionen und für mich war es tatsächlich sehr unterhaltsam, das Ganze in der Presse zu verfolgen.

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Diesen Nackten (wohl einer der naked guys, denn so nahtlos braun wird man nicht von ab und zu mal nackt) fotografierte ich aus purem Zufall, als ich die vielen bunten Fahnen auf der Market Street einfangen wollte. Ich habe ihn erst hinterher bemerkt, als das Foto schon im Kasten war. Um weder ihm noch unbedarften Lesern oder gar dritten auf die Füße zu treten, habe ich ihn kunstvoll mit meinem Fotoprogramm in bunte Tücher gewickelt.


Ende November wurde der Entwurf im Stadtrat diskutiert und es kam zur ersten Abstimmung. Begleitet wurde diese Abstimmung durch massive Proteste der Nackten und zwar nicht nur der naked guys, sondern vieler Sympathisanten, Menschenrechtlern, Freaks und Menschen die Gefahr sehen, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung eventuell verloren geht.

Als die Kinder mit der Highschool in der Oper waren und ich fragte: „Wie war’s?“, bekam ich zur Antwort: „Cool und vor der Oper waren lauter Nackte.“ Die Oper in San Francisco liegt gegenüber von der City Hall.“ In den Nachrichten abends sah man aufgebrachte Schwiegermütter die sich empörten dass nun alle Hochzeitsbilder ihrer Lieben verschandelt wären, weil überall nackte Fremde drauf wären.

Ich fand es lustig und auch den Skandal in der City Hall selber. Die durfte man nur angezogen betreten, nachdem aber die Abstimmung 5 zu 4 gegen die Nacktheit ausging, entblößten sich aus purem Protest viele im Publikum. Das Ordnungspersonal war verzweifelt und versuchte die Nackten aus dem Saal zu räumen ohne zu berühren und zu gucken. ABC7 zeigte es in ausgedehnter Länge aber großzügig weggepixelt.

Das Ergebnis war knapp und eine nötige zweite Abstimmung fand am 4.12. statt. 7 zu 4, das Ergebnis war deutlicher als zu vor und das City Hall Sicherheitspersonal war diesmal mit hellblauen Laken vorbereitet. Wieder entblößte sich das Publikum und alle wurden sofort in hellblaue Laken gewickelt und aus dem Saal gebracht.

Hellblau, die Farbe die der Gay-Fahne zur Friedensfahne fehlt! Mit Sicherheit keine Absicht und wahrscheinlich bin ich auch die einzige, der das überhaupt aufgefallen ist, aber für mich ist es ein Zeichen.

Dem Frieden fehlt hellblau! Hellblau diesmal die Waffe gegen die Nackten!

Das Gesetz tritt im Februar in Kraft. Nacktheit ist nun auch in San Francisco verboten. Und auch wenn mich selber Nackte auf der Straße irritieren und auch ich mich frage, ob es nicht verletzend und intolerant Menschen gegenüber ist, die aus streng religiösen Gründen auf der prüden Seite stehen, finde ich es schade. Man kann doch wegschauen, wenn es einen stört.

Die letzten wirklich Freien in Amerika haben ihren Kampf verloren.

No nudity in San Francisco anymore. It’s new...it’s the law!

+++Aufgrund nicht tragbarer Werbung musste Bluish Box verschwinden+++



5.12.2012

Ich bin dann mal weg…

Mr. Reliable


Mythos oder honoris causa?

Ich erwähnte es schon mal, er hat den Namen von Oli und Moni, die im Sommer mit ihm durch die Wüste gefahren sind. Für Neuleser oder Überflieger erwähne ich es nochmal kurz: Mr. Reliable heißt unser alter grüner Mercedes.

Am 13.9. hatte er einen klassischen Carpoollane-Unfall, es war in den Breaking News zu lesen. Ein Auto scherte aus der fast stehenden Mittelspur auf die fließende Carpoollane aus, 4 Autos konnten noch bremsen, das fünfte, Mr. Reliable, nicht mehr. Er trägt keine Schuld, es war menschliches Versagen. Mr. Reliable touchierte einen Prius, der fast nichts hatte, aber er selber verbeulte sich die Schnauze und der linke Scheinwerfer war hinüber.

Mr.Reliable
Bild: Leon sei Dank!

Nobbi holte sich in verschiedenen „Bodyshops“ Kostenvoranschläge, die nicht zu akzeptieren waren, fragte dann in seiner Werkstatt des Vertrauens und bekam ein akzeptables Angebot. Es sollte allerdings drei Wochen dauern, da irgendwelche Ersatzteile irgendwo bestellt werden mussten. Am 6.11. waren die drei Wochen um. Böse Zungen behaupten, er war fast zwei Monate in der Werkstatt, aber positiv denkende Menschen wissen, es handelte sich um sogenannte 18-Tage-Wochen, eine Zeitrechnung, die hier in Amerika in Werkstätten und auch anderen Dienstleistungsbereichen durchaus üblich ist.

Unverbeult, mit leuchtenden Lampen und frisch gewaschen holten Samuel und Victor ihn aus der Werksstatt ab, packten ihn direkt mit Schlafsäcken und Winterklamotten voll und machten sich auf den Weg nach Vancouver, Canada, um einen Freund zu besuchen. Auf dem Hinweg kauften sie noch ein paar Schneeketten für ihn, da sie tatsächlich in den ersten Schnee kamen. Zwei Tage brauchten sie aufgrund des schlechten Wetters, aber sie kamen an und zeigten Mr. Reliable Oregon, Washington und Canada.

Mr. Reliable in Canada
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Bild: Victor sei Dank!

In Vancouver selber wurde er abgestellt und musste im Regen stehen ohne wirklich etwas erleben zu dürfen. Erst zehn Tage später sollte er die Jungs wieder nach Hause bringen. Er zickte rum und sprang nicht sofort an.

Batterieprobleme!

Ist es wirklich fair ihm Vorwürfe deswegen zu machen? Sollte er tatsächlich den Status und Namen Mr. Reliable wieder verlieren? Die Jungs besorgten Fremdstrom, um zu starten und er fuhr. Er fuhr durch, eine ganze Nacht, bis nach Hause, mit kränkelnden und übermüdeten Fahrern und als ich sie morgens so sah, die drei, war es offensichtlich: Er behält seinen Namen, denn er machte nach diesem Roadtrip tatsächlich die beste Figur.

Das viele Wasser, was in den letzten Tagen vom Himmel kam, bereitet dem Innenraum Schwierigkeiten, denn das Dach ist nicht mehr ganz dicht. Hauptsache er fährt. Zuverlässig und sicher, im Gegensatz zu so manch anderem Auto in unserem
Fuhrpark. Er darf nun abends in die Garage und neben dem Mini stehen, der dort immer noch mit ausgebautem Motor auf Ersatzteile wartet. Wie viele Wochen das schon sind, weiß ich gar nicht, aber auch in der eigenen Garage sollte man besser in 18-Tage-Wochen rechnen.

Mr. Reliable! You drove through the desert and to Canada almost without problems. You’re not a myth; you’ve earned this name. Take it as “honoris causa” whatever will be in future.



3.12.2012

Ich bin dann mal weg…

Anmerkung der Kolumnistin: Bisher hatte diese Webseite immer den Grauen Kasten als chatroom. Er hatte eine eigene Seite und wurde nur von wenigen Menschen genutzt. Ich glaube einige hatten Angst vor ihm, was wohl daran lag, dass er wie eine exel-Tabelle aussah, das würde mir auch Angst machen, wenn nichts weiter dazu erklärt wäre.

Nun zickt der Graue Kasten aber seit Tagen schon rum. Er lädt nicht mehr und wenn, dann braucht es ewig!

Ich wollte Ersatz und ich habe etwas gefunden. Meinen neuen chatroom habe ich Bluish Box genannt, er befindet sich noch ein Weilchen in der Testphase, vor allem weil ich darüber nachdenke, ihn in Zukunft immer an das Ende der neuesten Kolumne zu setzen. Wenn dann jemand spontan eine Eingebung hat und plötzlich einen Kommentar loswerden will, eine Frage stellen möchte oder einfach nur einen Grinsepunkt loswerden will, so kann er das tun, ohne erst auf eine andere Seite zu klicken.

Ich lade euch herzlichst ein es auszuprobieren.

Darf ich vorstellen? Bluish Box:

+++Richtungswechsel der posts, ab jetzt von oben nach unten+++





27.11.2012

Ich bin dann mal weg…

Anmerkung der Kolumnistin: Es war Thanksgiving und es war ein absolut schönes Fest, so schön, dass ich eigentlich eine Kolumne hätte drüber schreiben müssen, aber noch in der selben Nacht wurde ich krank, das übliche Winterpaket, nichts Schlimmes, nur lästig. Ich habe noch einen Film geschnitten und dann ging gar nichts mehr.



Thomas, unser Gastgeber, war auch fleißig. Die beiden Werke müssen reichen, um euch ohne Worte ein Bild von unserem letzten gemeinsamen Thanksgiving in Amerika zu geben. Danke an Jenni und Thomas und auch an den gesamten Rest der Feiergemeinde.

Leider kann folgendes Video in Deutschland nicht mit Musik gesehen werden. GEMA sei Dank!



Die wache Zeit im warmen Bett verbrachte ich mit der Suche nach Antworten auf Fragen, die ich mir schon lange stelle. Zum Glück kann man Google inzwischen überall hin mitnehmen, auch ins warme Bett.

Hopper’s Hands

Unterhalb der Golden Gate Bridge auf der Stadtseite liegt Fort Point. Man kann es von Crissy Field (dem netten Naherholungsgebiet am Wasser mit Blick auf Brücke und Downtown) aus sehen.

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Viele Jogger rennen die Sackgasse entlang und auch Touristen verirren sich dorthin. Man hat einen absolut nahen Blick von unten auf das grandiose Bauwerk.


Allerdings muss man durch die Löcher im Maschendrahtzaun gucken, denn am Ende der Straße ist eine Mauer mit einem Zaun. Es gibt ein aufgedröseltes größeres Loch, von wo aus man wunderbar die Brücke ohne optische Mäkel ablichten kann.

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Am Zaun selber hängt ein Schild mit zwei Händen darauf: Hopper’s Hands und tiefer unten an der Mauer sind zwei Pfoten.

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Seit Monaten frage ich mich, was dieses Schild wohl soll und wer zum Teufel ist Hopper?

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Ich hatte so schöne Theorien. Spontan fiel mir Dennis Hopper ein, der Schauspieler und Regisseur. Na klar, er hat dort irgendeinen Film gedreht und immer wieder bei irgendeiner Szene, die unter der Brücke spielte, dort gestanden, die Hände am Zaum und wahrscheinlich wild geflucht bis die Szene im Kasten war...

Oder Edward Hopper, Maler und wohl bekanntestes Beispiel des amerikanischen Realismus. Sicher hat er diese niedlichen Hände nicht selbst angefertigt, sie sehen nicht realistisch aus, aber er hat da gestanden, bei irgendeinem Werk, das nicht eine Kneipenszene oder eine belebte Straße zeigt, sondern einfach nur die Brücke...

Oder ist Hopper vielleicht das Synonym für hüpfende Kleinwüchsige, die hier aufgefordert werden, auch einen Blick auf die Brücke zu werfen. Aber warum dann die Pfoten darunter?

Es war mir klar, dass meine tollen Theorien nicht stimmen, trotzdem habe ich fast ein halbes Jahr gebraucht, bis ich endlich auf die Idee kam, es mal zu googlen...Manchmal hat man Angst vor der Wahrheit, Angst, dass die Antwort einem Träume zerstört...und manchmal ist es einfach gar nicht wichtig.

Ich war überrascht und berührt gleichzeitig. Erstens musste ich feststellen, dass ich nicht die einzige war, die eine Dennis und Edward Hopper Theorie hatte, zweitens geht mir die Geschichte der Tafel unter die Haut und drittens greift sie weitere „Amerikanische“ Themen auf wie großartige Volunteerarbeit und Heldentaten!

Der Artikel in den „San Francisco Chronicles“ ist übrigens sehr zu empfehlen:
Quellen: San Francisco Chronicles, Hoppers Hands Blogspot, waymarking

Ken Hopper ist einer von vielen Metallarbeitern/ Ironworker der Golden Gate Bridge. Ihr Job ist es nicht nur, die Brücke, das Nr.1 Bauwerk der Gegend, in Stand zu halten, es sind tatsächlich auch diejenigen, die gerufen werden wenn Verzweifelte auf der Brücke stehen und ihrem Leben ein Ende machen wollen, denn bedauerlicherweise ist es auch Nr.1 Suizid-Schauplatz der Welt, mit mehr als 1200 Suiziden bis heute. Jeder Ironworker kann sich freiwillig in eine Liste eintragen, um zu solchen Suizid-Vermeidungs-Einsätzen gerufen zu werden.

Es sind Ironworker, sie kennen die Brücke und sind als einzige in der Lage schwindelfrei in diesen Höhen einen kühlen Kopf zu bewahren. Sie tun dort Arbeit, zu der sie eigentlich gar nicht ausgebildet sind. Manchmal, wenn Zeit ist, sind sie mit einem Polizeipsychologen verkabelt, aber da oben auf der Brücke sind sie im Prinzip auf sich selbst, ihr Einfühlungsvermögen und ihre sensible Seite gestellt. Hopper selber hat in 17 Jahren 30 Einsätze gehabt, davon sind zwei gesprungen. Den Rest hat er nach unten begleitet. Nicht alle, die er nach unten begleitet hat, konnte er retten, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Tafel, Hopper’s Hands, gab er in Auftrag. Er bat die Maler der Brücke ein Schild mit Händen und eines mit Pfoten zu machen. Er sagt er habe immer wieder von weit oben die Jogger beobachtet, die an Fort Point den Zaun abklatschen und umdrehen. Eine Frau lässt immer ihren Hund die Mauer berühren, daher auch ein Schild mit Pfoten. 180º Wende, bewusst an dem Punkt sein, wo es nicht mehr weiter geht und umdrehen. Genau das ist es, was die Menschen, die verzweifelt auf der Brücke stehen und ihrem Leben ein Ende machen wollen, tun müssen.

Umdrehen!

Hopper sagte: „Wir sind die einzigen, die blöd genug sind, es zu tun.“ Er meint da hoch zu klettern und mit denen, die bereit sind zu springen, zu sprechen.

Sie sind nicht blöd, sondern lediglich in der Lage etwas zu tun, was sonst keiner kann. Dass sie es tun, freiwillig und jobfremd und wahrscheinlich ohne einen müden Cent dafür zu sehen, macht sie zu Helden.

Auch das ist für mich Amerika!

Im Netz finden sich einige Exemplare des Schildes, die sich von dem das ich fotografiert habe, unterscheiden.

Verschleiß, bei soviel Berührung?

Hoppers Hands
Das ist das Original,

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und das sein Ersatz aus dem Jahre 2005
(Die beiden letzten Bilder: Google sei Dank! Quelle)


Ich habe es bisher nur fotografiert, berührt habe ich es nicht. Aber ich werde und diesmal nicht mit Fragezeichen sondern bewusst.

Next time when I’m at Fort Point I will touch Hopper’s Hands I’ll let touch my dogs the paws. My thoughts will be with the ironworkers and the guys who need their help.


19.11.2012

Ich bin dann mal weg…

Human Dignity is Inviolable

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Artikel 1, Absatz 1 des deutschen Grundgesetzes.

Artikel 1, Absatz 1!

Artikel II-61 der Europäischen Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen.“

Artikel II-61, immerhin!

Das passende Pendent in der US-Constitution fehlt. Es gibt Ansätze aber keinen allgemeingültigen Paragraphen.

Wer jetzt allerdings eine Abhandlung über die Menschlichkeit in der Legislativen oder deren Umsetzung in der Exekutiven erwartet, den werde ich enttäuschen, obwohl man sicher Bücher darüber schreiben könnte.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das nur vorweg.

San Francisco ist eine faszinierende Stadt und wie in allen großen Städten finden wir hier krasse Gegensätze von arm und reich. Das Stadtbild wird auf der einen Seite von viktorianischen schnuckeligen Häusern und Villen geprägt, mit Erkern, Türmchen und Gärten und auf der anderen Seite von unzähligen Obdachlosen und Menschen die am Rande, nein, weit unter Existenzminimum leben.

Fährt man irgendwo jenseits der besseren Viertel durch die Stadt, stehen an Ampeln Menschen mit Pappbechern, die um ein paar Cent betteln, über die Straße schiebt ein schlurfender Mann einen überfüllten Einkaufswagen mit seinem gesamten Hab und Gut und jeder Menge leerer Flaschen und Dosen, aufgesammelt und aus Mülltonnen geklaubt, um auch die zu Cents zu machen, eine Frau im Rollstuhl schiebt sich durch die im Stau stehenden Autos, in der Hoffnung auf ein paar Münzen. Sie hat ein faltenfreies Gesicht und eine gepflegte Frisur, dennoch könnte ich ihr Alter nicht schätzen. Immer wieder sieht man Menschen an Hauswänden schlafend oder aber sich an selbigen erleichternd.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Ich habe diesen Satz im Kopf während ich mein Fenster runter lasse und einem Mann mit Pappschild auf dem -I’m starving- steht, ein paar Dollar gebe. „Thank you, Ma’m!“ „You’re welcome!“ Ohne zögern, aus tiefstem Herzen, aber nur weil ich im Auto sitze und Nobbi fährt! Alleine würde ich mich unwohl fühlen.

Wir parken unser Auto auf der Mission Street, gleich an unserem Parkplatz stehen ein paar Mexikaner die irgendwelche Sachen auf der Straße zum Verkauf anbieten. Einer spricht uns auf Spanglish an. Er hätte gern einen Dollar, würde auch auf unser Auto aufpassen und er mag Hunde. Er versucht Lissy zu streicheln, sie mag aber offenbar keine Fremden, ich schlag ihm vor besser Ceallagh zu streicheln und verspreche ihm nen Dollar, wenn unser Auto gleich noch da wär. Er redet jede Menge, was ich nicht versteh, wir sind freundlich, und scherzen, er verspricht es nicht aus den Augen zu lassen, das Auto.

Wir gehen und ich schaue automatisch, ob noch alles da ist. Kleines schlaues Telefon, Kamera, Portemonnaie! Schlechtes Gewissen? Höchstens ein bisschen.

Wir, Jonathan, Kyra, Nobbi und ich, wollen uns ein paar murals, Wandbilder auf Mauern und Zäunen, in der Clarion Alley in Mission District zwischen der 17. und 18. Straße anschauen. Es ist nicht die beste Gegend und ohne „richtigen Mann“ an meiner Seite würde ich mich dort nicht aus dem Auto wagen. Spätestens hier versteht man, warum sich die Autos nach dem Einsteigen selber verriegeln.

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Mission District ist ein interessantes Viertel, stellenweise riecht es nach frisch angezündetem Dope oder menschlichem Urin. Traurige Gestalten, Touristen und ganz normale Einwohner sind gut zu unterscheiden und halten sich je nach Straßenzug etwa die Waage. Es gibt sehr heruntergekommene Bereiche und ganz plötzlich ist man wieder in gepflegterer Gegend. Bunt, durchmischt und kreuz und quer zusammengewürfelt. Mein Gefühl schwankt zwischen Faszination, Verblüffung und Unwohlsein. Auch das ist Amerika! Wir kennen es aus vielen Filmen.

(Es gibt in San Francisco auch Viertel, in die sollte man als weißer besser gar nicht gehen, so steht es in meinem Reiseführer, so arg ist das hier nicht.)

Als wir wieder beim Auto sind, freut sich unser Mexikaner. Dem Auto sei nichts passiert, er hat aufgepasst. Er bekommt seinen Dollar. Er fragt noch ob Jonathan mein Sohn sei und Kyra meine Tochter. Alles auf spanisch, irgendwie versteh ich ihn plötzlich und antworte auf englisch.

Wir fahren quer durch die Stadt, um in Pacific Heights, einem gehobenen Stadtteil einen Treppenlauf zu machen.

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Ich stelle fest, dass es doch wesentlich angenehmer ist, sich hier frei zu bewegen, als in einem Viertel, indem man Sorge hat, dass man wieder alles mit nach Hause nimmt, was man dabei hat. Irgendwie macht es uns alle nachdenklich und als wir dann an einer Baustelle das in Holz geschlagene Dixie Klo bewundern, geht es mir nochmal durch den Kopf:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Hier würde es das Stadtbild stören, wenn man aus dem Fenster auf ein Dixi Klo schaut. Dafür gibt es Abhilfe.

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Nur ein paar Minuten Richtung Süden, leben Menschen auf Asphalt, die haben nicht mal ein Dixi Klo und Abhilfe scheint es auch keine zu geben.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Bei Wikipedia steht die Erklärung:
Im modernen Sinne versteht man darunter, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder anderer Merkmale wie Geschlecht, Alter oder Zustand denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gegebenes schützenswertes Merkmal auszeichnen, die Würde.

Ich möchte dies niemals vergessen. Ganz egal, ob ich mich fürchte oder wie erschrocken ich bin. Auch wenn der Mensch, dem ich gegenüberstehe den Eindruck erweckt, er hätte seine Würde verloren. Auch wenn es nicht mehr zu erkennen ist, eventuell ist die Würde das einzige was er noch hat und eben dies macht es so schwierig ihm unbefangen gegenüberzutreten.

Human dignity is inviolable; to respect and protect it shall be the duty of all state authority. Article 1, paragraph 1 of the German Constitution. It should be not only the duty of authorities. We all should respect it.

This is the important key-difference between America and Germany I always was looking for: Why I am happy and proud to be German? Because of article 1, paragraph 1 of our German Constitution!


16.11.2012

Ich bin dann mal weg…

Anmerkung der Kolumnistin: Ja es waren Wahlen, ich war abgelenkt und hatte keine Zeit drüber zu schreiben, nur soviel; es war wie Baseball oder Football gucken. Im Großen und Ganzen langweilig und für uns Europäer nicht wirklich nachzuvollziehen, weil wir die Regeln gar nicht verstehen können. Es zählt das Ergebnis, dass dann sehr plötzlich verkündet wird, zu einem Zeitpunkt wo man noch gar nicht damit rechnet.

Auch Halloween war und Geburtstag...Man muss die Feste feiern wie sie fallen und definitiv nicht über alles schreiben. Nur soviel: Schön war’s!

Inspiriert durch Rainers Kulturecke heute eine Kolumne die schon lange geschrieben werden will, es aber immer an den Bildern scheiterte. Nun ohne Bilder aus gegebenem Anlass. In Rainers Kulturecke las ich gerade, dass der Vater der Mainzelmännchen gestorben ist. Ihm zu Ehren wählte Rainer diese Woche meine Lieblingsballade;

Die Heinzelmännchen zu Köln

Heinzelmännchen, good folk

Anfang des 19.Jahrhunderts schrieb August Kopisch die Ballade der Heinzelmännchen. Kleine Helfer, die den Handwerkern des Nachts die Arbeit abnahmen, ohne Entgelt aus purer Freundlichkeit Dinge erledigten, ohne dass man irgendetwas mitbekam. Morgens waren die Brötchen gebacken, die Wurst eingedärmt und die Fässer beschlagen. Die Neugier von Schneiders Weib, die mit List und Erbsen die Wichte zu Fall brachte und sie so entdecke, beendete die wunderbare Zeit in Köln.

In Köln gibt es einen Brunnen, der mich immer schon faszinierte. Das böse Gesicht der Schneidersfrau und die leidenden Gesichter der Heinzelmännchen am Fuße der Treppe verfolgten mich in meinen Träumen. Ich verbrachte Jahre damit mich zu fragen, wo sie nur hin sind, so enttäuscht von den Menschen, denen sie bloß helfen wollten.

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Bild: Google sei Dank! (Bildquelle)


Meine Mutter hatte keine vernünftige Antwort. Sie meinte, sie würden jetzt selber faulenzen oder aber sich nur noch um ihre eigenen Geschäfte kümmern. Köln hätte dafür nun den Klüngel und bräuchte keine Heinzelmännchen mehr. Wer war nur der Klüngel und trägt auch er eine Zipfelmütze?

Ich wurde älter und hörte einfach auf darüber nachzudenken. Nobbi rezitierte später die Heinzelmännchen für seine kleinen Söhne, statt Gute-Nacht-Geschichten und meine Kinder nahmen das Verschwinden der Wichte einfach so hin.

Nun leben wir schon über zwei Jahre hier in Amerika und ich habe zwar keinen Beweis dafür, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die hilfsbereiten Gesellen nach der Enttäuschung vor gut 200 Jahren sich auf den Weg nach Amerika gemacht haben. Sie werden sich wahrscheinlich mit einem Rheinschiff an die Niederländische Küste aufgemacht haben und von dort in die Vereinigten Staaten.

Wie ich darauf komme?

Ich sage nur Nachtbaustellen!

Hier in der Gegend gibt es viele verkommene Straßen. Schlaglöcher so groß, dass man Sorge haben muss, dass ganze Smarts oder Cinquecentos drin verschwinden könnten, was wohl ein Grund dafür ist, dass man hier lieber große Autos mit dicken Reifen fährt. Der Verkehr aber ist so dicht, dass das Land von Dauerbaustellen wie im Ruhrgebiet, am Kölner Ring oder um Stuttgard herum absieht und lieber das Risiko eingeht, dass Kleinwagen verschwinden oder ab und zu mal ein Motorradfahrer die Kontrolle über die Lenkung verliert.

Trotz allem, auch ohne Dauerbaustellen, findet Ausbesserung statt. Am einen Tag ist die Straße noch grau, am nächsten hat sie Rillen und irgendwann ist sie schwarz und frisch geteert, hat dafür aber keine Markierungen mehr. Die tauchen erst Tage später auf.

Heinzelmännchen!

Anders ist das nicht zu erklären. Nachts, wenn das Volk schläft, kommen sie in Scharen, sperren Spuren auf Autobahnen, ganze Straßen und ab und zu sogar mal eine Brücke. Um nicht erkannt zu werden, stellen sie starke Scheinwerfer auf und blenden Autofahrer und Passanten, während sie mit 5 Teermaschinen gleichzeitig das Teilstück einer Autobahn sanieren.

Auch die Heinzelmännchen haben dazugelernt. Wenn ich mal nachts über die Autobahn fahre und neugierig versuche die fleißigen Wichte ausfindig zu machen, muss ich immer mit schlechtem Gewissen an die Schneiderin denken, die Erbsen auf die Treppe streute und die Männlein zu Fall brachte. Und dann hört man wie sie gegen die Karosserie fliegen, die Erbsen, sie nennen es Rollsplitt oder “loose gravel”. Überall dort wo Heinzelmännchen nachts arbeiten, streuen sie es selber aus, um sich neugierige Schneider-Weiber vom Leib zu halten. Durch die Angst den eigenen Lack zu beschädigen, bleiben wir fern und sehen können wir nichts, weil wir geblendet sind.

Es wird mir also nicht gelingen, sie zu fotografieren und ich möchte es auch gar nicht mehr versuchen. Am Ende wäre ich wie die Schneiderin dafür verantwortlich, dass die Heinzelmännchen auch noch aus Amerika verschwinden und die Straßen somit völlig verkommen.

Wenn ihr einmal wieder über eine ausgebesserte Straße fahrt, knirschendes Geräusch unter den Reifen und klackernde Streu gegen das Blech fliegen hört, dann wisst ihr, wer da war.

Heinzelmännchen!

Good Folks come in the night, spread peas and repair the streets. Thank you guys!


3.11.2012

Anmerkung der Kolumnistin: Inzwischen habe ich Miris OK ihren blog hier zu verlinken. Sie hat ein paar updates aus New York.

Miris neuer blog:

http://couleuresse.blogspot.com/


2.11.2012

Ich bin dann mal weg…

Anmerkung der Kolumnistin: Diese Kolumne ist für die Opfer des Jahrhundertsturmes. Für jeden Einzelnen.

Außerdem für Miri und Quique. Sie leben in New York und ohne sie, hätte ich gar nicht über Sandy geschrieben.

In dankbarer Zusammenarbeit mit Quique:

Frankenstorm

Barbaras Auswärtsspiel featuring Quique

Am Dienstag erhielt ich per Mail die Nachfrage, ob wir irgendetwas von Sandy mitbekommen haben. Frankenstorm aus der Sicht der USA.

Nun, natürlich bekommt man über das Fernsehen mit, was an der Ostküste passiert. Ich habe den Sturm sowohl über die Tagesschau-App, wie auch über die App meiner Lokalnachrichten und die Abendnachrichten verfolgt. Diesmal gab es kaum einen Unterschied in der Berichterstattung. Auch die Tagesschau pickt sich Einzelschicksale raus, über die sie berichtet und hat einen Reporter in Regenjacke mit zerzausten Haaren vor überfluteten Straßen stehen. ABC 7 dokumentiert natürlich nicht nur was drüben passiert, sondern knüpft immer noch irgendeine Verbindung nach hier, z.B. die Rettungsteams aus der Bay Area, die sich schon vor dem Sturm bereit machten, um bei den noch nicht abzusehenden, aber zu erwartenden Aufräumarbeiten zu helfen. Heroes! PG&E schickte Helfer, mit Fahrzeugen und allem drum und dran, um bei der Wiederherstellung der Stromversorgung zu helfen. Andere Teams, die schon bei Kathrina geholfen haben, packten auch schon am Sonntag ihre Sachen. Es wurde zu Blutspenden aufgerufen und so weiter. Erst nach der Katastrophenberichterstattung wurden die Giants, San Franciscos Baseball Team, gefeiert, die übrigens die World Series gewonnen haben.

Ich wollte nicht über Sandy schreiben. Ich wollte diese Woche gar nicht schreiben.

Ich war froh von Miri aus New York zu hören, dass es ihr gut geht, dass sie zu jeder Zeit Strom hatte und lediglich das eingelassene Not-Wasser in der Wanne schwappte, weil der Sturm ihr Hochhaus in Upper Manhattan bewegte und das Licht etwas flackerte. Quique, Freund meiner Söhne, der seit dem Sommer in New York, in Lower Manhattan, studiert, berichtete über Facebook und hielt Freunde und Verwandte auf dem Laufenden.

Sein online-Sturmtagebuch, bzw. die live-Dokumentation seiner Odyssee ist ein bemerkenswertes Zeitdokument. Es geht genau in die Richtung der Sensationsberichterstattung der Lokalsender an Einzelschicksalen. Er gab mir die Erlaubnis darüber zu schreiben und nun versuche ich seine Geschichte zu erzählen, mit seinen Bildern und teilweise auch seinen Worten. Alle Bilder und der
-kursiv- gedruckte Text: Quique sei Dank!

Samstag 27.10.:

-Big Cloudy Apple-

Big Cloudy Apple
Ein tolles Bild von New York, Quique.


Noch wütet der Hurrikan in der Karibik. Es wird berichtet, dass dort 43 Menschen sterben und Sandy an Stärke gewinnt, dass sie sich weiter in Richtung US-Küste begibt, doch unklar ist, wo genau sie zuschlägt. Die Wetterbehörde ist besorgt, da sie sich mit nordischer Kaltluft vereinigen wird und schon jetzt ist klar: Es wird ein Supersturm, man spricht von Frankenstorm dem Monstersturm!

Am selben Abend ist vor der Westküste von Canada ein Seebeben mit der Stärke 7.7. Eine Tsunamiwarnung für Hawaii und Nordkalifornien wird ausgesprochen. Sollten wirklich beide Küsten gleichzeitig von Naturkatastrophen getroffen werden?

Sonntag 28.10.:

Kein post bei Quique, auf Hawaii wurde evakuiert, der Tsunami schwappte mild. Bis auf ein Verkehrschaos in Honululu und leergekaufte Supermärkte ist nichts passiert. Die Welle in Nordkalifornien war nur 67 cm groß. Gott sei Dank!

Montag 29.10.:

-the calm before the storm-

Calm before the storm

Es regnet!

-woke up this morning hoping to see 70mph winds, cars being moved down 3rd Ave by the flood, hell, even animals getting blown away. All I found was some wind and a couple of drops of rain. You're such a disappointment, Sandy. Step up your game.-

woke up


Natürlich wünscht man sich keine Katastrophe, aber wenn einem ein Hurrikan versprochen wird und es bloß regnet, ist man nur ehrlich, wenn man von Enttäuschung spricht. Ich hatte auch fast das Gefühl, dass es den Nachrichtensprechern ähnlich ging, die von dem 67 cm Tsunami berichteten.

Der Tsunami blieb aus, bedauerlicherweise blieb es nicht bei nur Regen und der Sturm hielt doch was er versprach.

-that’s more like it-

Ast ab


-so much for a city that never sleeps-

Nach der ConEd Explosion bei PG&E in New York City gehen in Manhattan die Lichter aus. Quique hat Glück. Wo er wohnt gibt es ein funktionierendes Notstromaggregat, das die Treppenhausbeleuchtung und den Feueralarm sichert. Er sagt, da merkt man erst mal wie wichtig das ist. Es ist ein 15 Stockwerke Gebäude. Andere, die in Gebäuden auf dem Campus leben ohne funktionierendes Notstromaggregat, werden evakuiert.

Dienstag, 30.10.:

Ein bisschen Sturmsightseeing, Freunde und Familie sind ein wenig besorgt. Sollte man nicht besser im Haus bleiben bei Sturm?

Marquise


-power is back in midtown, traffic lights aren’t-

Traffilights

-phone booths are cool again-

Phones

Mittwoch, 31.10., Halloween:

In Miris Hochhaus klingeln kleine Monster und Hexen; trick or treat, ein bisschen Normalität, in anderen Teilen von New York fängt das Chaos erst an.

Lower Manhatten, das Wasser kommt, der Strom geht! Das Notstromaggregat in Quiques Haus gibt den Geist auf. Wenn es nicht wieder ans Laufen gebracht wird, wird auch sein „dorm“ evakuiert.

-No electricity, no running water, we have now entered survival mode-

no electricity

-Mass lootings in the Financial District, power's been down for 60 hours and counting, Third North's emergency generator is down. Chaos has officially taken over Lower Manhattan.-

-extraordinary situations bring people together. NYU students looking for a way out of the city-

together

Und dann wird es doch eine Katastrophe. Nachdem der Strom ausfällt, ist man plötzlich persönlich betroffen. Die Situation eskaliert und glücklich ist, wer aus ihr raus kann.

Quique hatte die Möglichkeit für Mittwoch einen Flug zu bekommen und machte sich auf den Weg zum Flughafen, um im sicheren Kalifornien darauf zu warten, dass die Uni wieder öffnet. Solange dort kein Strom ist, bleibt die Uni zu.

Es gibt einen Bus zum JFK Flughafen, den hat Quique genommen. Allerdings hat er fast 5 Stunden gebraucht und als er ankam war sein Flieger gerade seit 10 Minuten weg.

-Spending the night at JFK. This week I've gone from feeling like being in 'The Day After Tomorrow', to 'The Dark Knight rises', to 'I Am Legend', and now to 'The Terminal'. The next movie better be a happy movie set in Californian beaches.-

Ach jee, nun muss er auf dem Flughafen übernachten, dort hat er wenigstens Strom und fließend Wasser.

-Tied myself to my bags using my power cord so that they wouldn't get stolen while I sleep tonight. Refugeeproblems-

angekettet


Auf Facebook fühlt man mit, in den Nachrichten sieht man, dass er Glück gehabt hat. Er bekommt am nächsten Tag einen Flug nach San Francisco:

Donnerstag, 1.11.:

Alle sind froh über seinen letzten Facebook post:

Screenshot


Irgendwann wird es wieder Strom geben und der Alltag auch nach Lower Manhattan zurück kehren. Irgendwann wird sich Quique in den Flieger setzen und sein Studium wieder aufnehmen.



Breaking News!!!

Während ich eine Schreibpause mache, um mich um meine Familie zu kümmern, erreicht mich die Nachricht über Quique, dass das East Village, der Stadtteil in dem er lebt, wieder Strom hat. Sein Gebäude wird gerade auf Sicherheit überprüft und erst danach wieder freigegeben. Quique schickte mir noch ein paar Hinweise die die Studenten erhielten:

It will take some time before our building is fully operating so we ask for your patience during these unprecedented conditions. IT MIGHT BE SOME TIME BEFORE ANYONE IS ALLOWED IN DUE TO FIRE AND SAFETY CHECKS (if you're here, you will not be able to re-enter the building if you leave). Here are some tips for settling back in:
Facilities & Water -All facilities requests must be submitted at the Resource Center (10am-10pm) until further notice. Please allow more time than usual for repair. -If your toilet is running when you return to your room please report this to the Resource Center immediately, this may cause flooding. -Run water from all faucets and shower heads for at least one minute or until water is clear before using or drinking
Electricity -Unplug all items before turning on a surge protector. Once you turn the surge protector on you may then plug items back in. -Wait 4-6 hours before restocking your refrigerator and/or freezer to ensure it is cold enough to maintain perishable goods
Cleaning -You are responsible for your own cleaning -Thoroughly check all food in your refrigerator and immediately dispose of all perishable items and all items that say "refrigerate after opening" -If you are unsure if an item is suitable for consumption, it should be disposed of. -Garbage should be thrown away as soon as possible. Bag all garbage in your room and then place in the larger garbage bag in the trash room. Garbage bags are available in the Resource Center

Touch base with your RA once you're back in your room so they know you're safely returned

Happy End nachdem Quique durch mehrere Action-Movies ging? Es scheint so!

Für tausende gab es kein Happy End. Sie haben vieles, manche alles, verloren.

Ich glaube es war in der Tagesschau. Es war ein Interview mit einem Kneipenbesitzer aus Hoboken, der schon bei Kathrina Haus und Geschäft verlor, danach in Hoboken mit einer Kneipe wieder anfing und nun ist wieder alles von der Flut überspült. Er sah müde aus, aber er sagte in die laufende Kamera, er habe noch Glück gehabt, denn dadurch, dass er schon bei Kathrina alles verlor, hatte er ja nun nicht so viel zu verlieren, wie andere. Er habe Mitleid mit denen, die weit mehr verloren als er, denn er wüsste wie das ist, alles zu verlieren.

Das ist für mich Amerika! Stehaufmännchenmentalität und in der schlimmsten Situation noch der Versuch irgendetwas Positives zu sehen und an die anderen zu denken, denen es noch schlechter geht. Ich ziehe meinen Hut davor.

Quique thank you so much for your cooperation. East Village has the power back. I wish you no further collateral damage. Hope that the next movie you will be in is something like absolute boring „Hangover“ and definitely not a Roland Emmerich Production!


26.10.2012

Ich bin dann mal weg…

Hawaii, Big Island

(Fire)

Fire and Ice
1920 by Robert Frost (Californian Poet)

Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
It’s also great
and would suffice.

Das werden wir uns nicht aussuchen können. Sicher, denkbar ist beides, da muss ich Robert Frost zustimmen.

Ich möchte nicht ans Ende denken, ich denke an den Anfang. Irgendwann vor ein paar Milliarden Jahren war die Erde ein Feuerball ohne Leben. Sie kühlte ab und bildete eine Kruste, die sich verhärtete und immer dicker wurde. Im Anfang war Feuer und nicht Himmel und Erde. Die Atmosphäre und damit der Himmel, die Voraussetzung für das Leben auf der Erde, bildeten sich erst später. Im Inneren brennt sie immer noch und ab und zu kommt es ihr hoch.

Vulkanausbrüche verbinden wir mit unsagbarer Gewalt und Zerstörung. Naturgewalt gegen die kein Kraut gewachsen ist. Mount Saint Helens, der 1980 explodierte, der Vesuv, der 79. n Chr. Pompeij unter seiner Asche begrub, der Tambora in Indonesien, der 1812 den Himmel der Nordhalbkugel so verdunkelte, dass es keinen Sommer gab. 49000 Menschen kostete das das Leben, sie erfroren, verhungerten und starben an Seuchen, aber auch Eyjafjallajökull der 2010 den kompletten Flugverkehr in Nordeuropa durch seine Aschewolke für Tage lahmlegte.

Vulkanausbrüche bringen Tod und Zerstörung oder wie im Falle des isländischen Vulkans enormen finanziellen Verlust für Fluggesellschaften und Beeinträchtigung von Reisenden, die selber eigentlich gar nichts mit Vulkanen am Hut haben.

Aus der Entfernung betrachtet sind sie jedoch absolut faszinierend.

Die Vorstellung, dass ein hoher Berg im inneren glüht, geschmolzener Stein lodert und blubbert, Felsen kochen und Blasen werfen, lässt meine Fantasie sprudeln. Schon in der Eifel an einem Maar zu stehen, macht mir Gänsehaut, wenn ich im Geiste das Wasser durch Lava ersetze. Die Vulkane in der Eifel sind alt und schlafen schon lange, der letzte war vor 11000 Jahren aktiv.

Big Island, Hawaii, besteht aus mehreren Vulkanen. Der höchste, Mauna Kea, war das letzte mal vor 4600 Jahren aktiv, Hualalai, der Kleine im Norden von Kona, 1801, Mauna Loa 1984 und Kilauea bricht seit 1983 kontinuierlich aus. Es ist der im Moment aktivste Vulkan der Welt. Im Süden von Big Island wächst Loihi, ein Unterwasservulkan, der voraussichtlich in 250000 Jahren als 9. Hawaiianische Insel auftauchen wird. Hawaii ist der einzige Bundesstaat der USA, der langsam aber stetig immer größer wird. Big Island gewinnt nach Süden hin Land durch steten Lavafluss ins Meer und sollte Loihi irgendwann auftauchen, kommt sogar noch eine ganze Insel dazu.

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Kilauea Caldera


Aktive Vulkane, mal ganz nah. Der riesige Krater von Kilauea oder die typische Flachkegelform von Mauna Kea und Mauna Loa wären schon faszinierend alleine. Aber zu sehen, dass Kilauea tatsächlich kontinuierlich qualmt, im Dunkeln rot glühend angeschienen von der Lava im Krater und das Wissen, dass irgendwo gar nicht weit weg, im Moment nur leider nicht zu sehen, Lava ins Meer fließt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Sicher kennt man spektakulärere Bilder, als ich euch zeigen kann, trotzdem ist es ein kribbelndes Erlebnis gewesen, mal ganz nah zu sein. Aus Zeitmangel haben wir auf die hautnahen Wanderungen verzichtet und uns Krater und Vulkane nur „drive in“ angeschaut. Der rauchende Kilauea faszinierte uns alle, der heiße Dampf der aus der Erde hochsteigt verblüfft. Die verschiedenen Lavafelder, glatt, grob, alt und neu prägen das Bild von Hawaii. Unser faszinierendstes Erlebnis war jedoch nicht der aktive Vulkan, sondern der Sonnenuntergang auf 4200 Meter Höhe über den Wolken auf dem Mauna Kea mit Blick auf Mauna Loa.

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klassischer Vulkankegel auf Mauna Kea


Ein Erlebnis, das nicht einfach durch das Auge über Nervenbahnen ins Gehirn geht, sondern direkt über das Zentrale Nervensystem mitten ins Emotionszentrum. Ich stieg aus dem Auto und habe nur noch geheult. Noch nie in meinem Leben habe ich etwas Ergreifenderes gesehen. Sogar Kyra und Jonathan waren sichtlich berührt: Farbveränderungen in Minuten, die das gesamte Spektrum, bis auf grün, zeigten, und das über den Wolken, in sehr dünner Luft, der Sichelmond vor den verschiedenen Blautönen gab dem Ganzen noch einen gewissen Touch ins Kitschige. Nachdem die Sonne untergegangen war konnten wir uns nicht mal erholen, denn der Sternenhimmel, mitten im Pazifik auf 4200 Meter Höhe war mindestens genauso beeindruckend. Kein Wunder, dass dort so viele Teleskope stehen.

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Die vielen Fotos im Film sind wieder nur ein jämmerlicher Versuch das Erlebte festzuhalten, was aber unmöglich ist.

International Geograffities
Hawaii Big Island
part III Fire




We saw the earth glowing and the stars shining, the deepest impression was the fire in the sky.

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burning sky

23.10.2012

Ich bin dann mal weg…

Hawaii, Big Island

(Earth)

(Auszüge Aus Genesis 1, Schöpfung)

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und die Erde war wüst und leer(...)

Wenn man beim Landeanflug des Flughafens Kona, Big Island aus dem Fenster schaut, sieht man Wasser und eine ebene, wüste Fläche, geprägt durch Lava. Es kommt einem so vor, als lande man auf einem fremden Planeten.

(...) Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich besamte, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. (...)

Nachdem man sich dann seinen Mietwagen abgeholt hat, natürlich einen Jeep, denn man will ja die Schätze der Insel entdecken und die sind bei Zeitmangel nur mit Jeep zu erreichen, macht man sich auf den Weg zum Ferienhaus. Unglaublich, wie schnell das Bild sich ändert. Der Wechsel zwischen karg und grün ist plötzlich und deutlich. Es kommt mir vor wie eine Zeitreise durch die Entstehungsgeschichte unserer Erde.

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Kahle Lava, Lavafelder auf denen schon ein bisschen Gras oder Büsche wachsen, Steppen, Plantagen, Weiden, Wälder. Die Bäume, ob Palmen oder Gewächse, die wir sonst nur als Zimmerpflanzen kennen, lassen mich staunen. Baumblüten, bunt und groß, Blumen eben nur halt auf Bäumen. Dass Menschen hier vom Paradies sprechen, wundert mich nicht und dass die Hawaiianer Blütenketten knüpfen auch nicht. Es liegt einfach nahe, bei der Vielfalt und Fülle. Kaffeeplantagen, Bananenstauden und andere exotische Früchte prägen das Bild der grünen Landschaft südlich von Kona. Immer wieder wird das Grün unterbrochen von schwarzer oder rötlicher Lava.

(...)Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art. Und es geschah also.
Und Gott machte die Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.

Die Geräuschkulisse, die einen umgibt, wenn man sich im Grünen befindet ist beeindruckend. Es muss Unmengen von uns fremden Vögeln geben. Ich wurde stets um Sonnenaufgang wach und es hörte sich so an, als seien wir mitten im Urwald. Neben den vielen Vögeln wird man besonders der Mücken gewahr. Natürlich, es ist feuchtwarm, auch ein Paradies für Mücken. Soweit nur zum ersten Eindruck.

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*Quelle
1 Kealakakua Bay, 2 Southpoint, 3 Green Sand Beach,
4 Volcanic Nationalpark, 5 Waipi’o Valley, 6 Mauna Kea


Wir hatten nur vier volle Tage, den ersten verbrachten wir mit Kajak fahren, schnorcheln und einkaufen. Die anderen Tage fuhren wir um die Insel, der Wechsel zwischen den Landschaften und auch dem Wetter, im Film auf viereinhalb Minuten zusammen geschnitten, war tatsächlich in Echtzeit ähnlich beeindrucken schnell. Teilweise waren auf der einen Seite Regenwolken und grüne Berge zu sehen, auf der anderen Seite blauer Himmel über irgendeiner Eben. Die Bilder im Film sind in chronologischer Reihenfolge, zweiter Tag und dritter Tag sind getrennt durch das Lavabrückenbild mit Kyra. Das entstand am letzten Tag und dient hier nur als Brücke zwischen den beiden Roadtrip-Tagen.


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Roadtrip, teilweise Off-Roadtrip. Die spannendsten Stellen auf Big Island sind nur über Wege erreichbar, die mit einem normalen PKW nicht zu befahren sind. Man könnte natürlich auch dorthin wandern, aber dann hätten wir nur eine dieser Attraktionen zeitlich geschafft. So konnten wir an einem Tag sowohl zur Südspitze, wie auch zum Green Sand Beach und in den Vulkan Nationalpark und am anderen Tag nach dem Schnorcheln noch ins beeindruckende Waipi’o Valley und auf den Mauna Kea, dort kann man bis auf etwa 4200 Meter mit dem Auto fahren, vorausgesetzt man hat Vierradantrieb.

Beeindruckend, aber auch Nerven aufreibend, jedenfalls für mich.

Erde, das ist mein Element, mehr als Wasser, Feuer und Wind. Aber auf ihr zu fahren, wenn sie nicht asphaltiert ist, ist eine andere Sache. Natürlich habe ich es genossen, nicht alles erwandern zu müssen, dennoch bin ich teilweise lieber ausgestiegen und zu Fuß gegangen, während Nobbi, Jonathan und Kyra ihren Spaß hatten. Viel schneller waren sie auch nicht und ohne mich ist es wesentlich leiser im Auto. Wir hatten das irgendwann schon mal in einer Kolumne, ich neige dazu spitze Schreie auszustoßen, wenn ich das Gefühl habe, im Auto eine Situation nicht kontrollieren zu können. Wenn nur noch drei Räder Bodenkontakt haben oder die Neigung des Wagens einen gewissen Winkel überschreitet, ist das genauso der Fall, wie eventuelle Abgründe nicht mehr wahrzunehmen.

Der Weg zwischen Southpoint und Green Sand Beach ist in unserem Reiseführer (1000 Dank von hier an Daniela, die ihn mir geliehen hat. Das ist ja wohl der tollste Reiseführer, den ich je gelesen habe. Ein wahres Meisterwerk. Nicht nur informativ, auch extrem unterhaltsam. Hawaii The Big Island Revealed, von Andrew Doughty, Wizard Publikation Inc) als Off Road Weg beschrieben. Man solle sich von den Verbotsschildern nicht irritieren lassen, es sei gar nicht verboten. So steht das da drin. Wie gut, denn ansonsten hätte ich darauf bestanden umzudrehen.

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Normalerweise erstarre ich vor Ehrfurcht, wenn ich ein Verbotsschild sehe. Wenn dann noch Kapu draufsteht, was über viele hundert Jahre ausschließlich mit dem Tod bestraft wurde, ist es besonders schlimm. Wir diskutierten eine Weile, ob es eventuell doch einen anderen Weg gibt, was allerdings nicht der Fall war. Im Reiseführer steht ausdrücklich, dass man sich davon nicht abhalten lassen solle. Ich zweifelte, bis Jonathan mir eine sehr plausible Erklärung lieferte, mit der ich leben konnte. No offroaddriving allowed. Die Straße ist die Buckelpiste, man darf halt nur nicht von ihr runter, querfeldein ins unbefahrbare Gelände. Klasse! Damit konnte ich leben und andere offenbar auch.

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Egal ob sandige Buckelpiste, breite grobe Schotterstraße ohne Rand auf 4000 Meter oder 25% notdürftig asphaltierte Steigung bei Regen: off Road fahren wird auch nicht mein Hobby!

International Geograffities
Hawaii, Big Island
part II Earth



Earth - not only stones, mud and dirt.
It’s the ground, the beginning and the end.


21.10.2012

Ich bin dann mal weg…

Hawaii, Why?

(Water)

Die ersten Siedler kamen vor etwa 1500 Jahren nach Hawaii. Wer das genau war, ist nicht ganz klar. Es gibt Theorien die besagen, dass es Polynesier oder Mikronesier waren, die in Kanus 2000 Meilen aus südwestlicher Richtung von den Marshallinseln kamen und erst später Menschen aus Tahiti, was etwa genauso weit im Süden von Hawaii liegt, die Kultur und Religion einbrachten. Andere sagen, es waren von Anfang an Tahitianer, die Hawaii besiedelten.

Warum? Vielleicht Krieg, Not oder einfach Abenteuer?

Ich will mich da nicht festlegen. Fest steht, dass die Religion und das strenge Gesetzsystem dem der Tahitianer ähnlich ist. Es gab unzählige Gesetze und der Einfachheit halber nur eine konsequente Strafe. Tod! Die Art des Todes war variabel und je nach Schwere des Vergehens wurde die gesamte Familie mitbestraft, um die Götter zu besänftigen, die ansonsten das gesamte Volk mit Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder Fluten bestraften.

Kapu! Verbot! Frei ins amerikanische übersetzt: It’s the law!

Die Gesetze erscheinen uns Europäern ähnlich sinnfrei, wie manche hiesigen. Ich denke da z.B. daran, nach Sonnenuntergang nicht wandern zu dürfen. Frauen durften nicht zusammen mit Männern essen, außerdem durften Frauen weder Bananen, Kokosnüsse noch Schweinefleisch essen und manches war nur für Könige oder Häuptlingen erlaubt.

Die Hawaiianer jedenfalls lebten viele hundert Jahre recht zufrieden mit ihrem strengen Kapu-System, welches die Ordnung auf den Inseln wahrte.

Am 19 Januar 1778 landete Captain James Cook auf seiner dritten großen Reise aus Versehen auf Kauai. Cook, berühmt dafür Dinge zu entdecken, die er vorhersagte, stieß unerwartet auf Land, auf dem Weg von Tahiti nach Alaska. Cook verließ Kauai, erkundete kurz Niihau und machte sich am 2. Februar auf Richtung Nordwesten. Er kehrte im November zurück, da ihn das Winterwetter aus dem Norden vertrieb und er landete auf Big Island in der Kealakekua Bucht, wo gerade ein Fest zu Ehren des Gottes Lono gehalten wurde. Es wird erzählt, dass er von den Hawaiianern für den Gott selbst gehalten wurde.

Das Verhalten der Seeleute jedoch ließ die Einheimischen mit der Zeit zweifeln, dass es sich um Götter handle und kurz bevor die Situation eskalierte, legten die Seeleute ab. Ein Mastbruch zwang sie dazu zurück zu kehren. Doch das gute Verhältnis zwischen den Reisenden und den Hawaiianern war zerstört.

Ein Beiboot wurde gestohlen und bei dem Versuch es von den Einheimischen zurück zu bekommen, kam es zu Unruhen. Cook feuerte einen Warnschuss ab, der in einem Schild eines Angreifers stecken blieb, ein zweiter Schuss tötete einen Einheimischen, worauf hin Cook von hinten erstochen wurde. Am 14. Februar 1779 endete Cooks Reise in der Kealakekua Bay.

Heute steht dort ein kleiner weißer Obelisk, britisches Terrain, der an Cook erinnert. (Ich habe leider kein Bild, es gab spannenderes für mich, an diesem Tag)

Unsere Reise beginnt dort, wo Cooks vor 233 Jahren endete.


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mit dem Kayak quer durch die Bucht

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Kealakekua Bay, heute Schnorchlerparadies


Hawaii, warum Hawaii?

Hawaii ist für mich das einzige Urlaubsziel, für das ich bereit bin, meine Hunde zu Hause zu lassen. Da Samuel noch zu Hause wohnt, war die Möglichkeit gegeben, er kümmerte sich um Hunde und Haus. Ein paar Tage Urlaub mit Nobbi, Jonathan und Kyra auf der größten Insel Hawaiis: Big Island, die Insel der Superlative!

Big Island, es ist sowohl die größte, wie auch die südlichste der Hawaiianischen Inseln, noch dazu die jüngste, außerdem der südlichste Punkt der USA überhaupt. Der höchste Berg der Insel, Mauna Kea (4205 Meter) ist von Meeresgrund bis Spitze höher als der Mount Everest, über 9000 Meter, da das Meer dort 5000 Meter tief ist. Außerdem beherbergt die Insel den Mount Kilauea, welches der im Moment aktivste Vulkan der Welt ist. Auf der Insel finden wir 10 Klimazonen, nicht nur Regenwald, Subtropen, gemäßigte Breiten und alpines Wetter. Ich mag gar nicht alles aufzählen...

Ein Superlativ gibt dem nächsten die Hand.

Aber das ist nicht der Grund, dass ich nach Hawaii wollte, denn das alles weiß ich erst, nachdem ich in Reiseführer und Internet gelesen habe.

Hawaii ist für mich das Tüpfelchen auf dem i. Es ist von Kalifornien aus in fünf Stunden zu erreichen, also durchaus machbar und ich verbinde mit Hawaii Delfine, Schildkröten, Vulkane und Regenwald. Unbeschreibliche Natur auf engstem Raum. Das wollte ich erleben und das haben wir. Allerdings die Schildkröten haben nur die anderen gesehen, ich wollte am letzten Tag nicht mehr ins Wasser, selber Schuld! Die anderen drei haben Schildkröten gesehen.

Die Bilder, die ich euch zeige, ob in Film-form oder im Text, können das Erlebte nicht wiedergeben. Geruch und Geräusche sind maßgeblich, auch das Licht, kommt durch ein Bild nie so ins Auge, wie in Natur. Die Wahrnehmung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit fehlt völlig. Es ist also alles nur ein jämmerlicher Versuch ein Abbild von der Faszination Hawaii zu geben. Die von euch, die das Glück schon hatten, es einmal erleben zu dürfen, werden das bestätigen.

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Wir wohnten im Westen der Insel, südlich von Kona, oberhalb von Pebble Beach, dem wildesten der Strände im Westen. Ich teile unsere Reise nicht in Urlaubstage, sondern in die Elemente. Feuer, Erde, Wasser. Luft fehlt, da unser Urlaub zu kurz war. Nobbi wäre gerne eine Runde über die Insel geflogen, die Zeit war einfach zu knapp.

Wasser!

Wasser ist eigentlich nicht mein Element. Es ist nass und oft kalt. Nass ist das Wasser um Hawaii auch, aber keineswegs kalt. Ich bin tatsächlich in der Lage einfach einzutauchen, ohne irgendeine Verzögerung. Das ist gut und macht das Schnorcheln möglich. Allerdings fürchte ich mich vor dem offenen Meer, so dass ich lieber nicht so weit raus schnorchle. Nobbi und die Kinder sind da irgendwie freier. Egal! Ich war begeistert, so viele bunte Fische auf einmal zu sehen. Ich dachte wirklich, man müsste tauchen können, um so etwas erleben zu dürfen. Gelbe, gelbe mit Streifen, blaue, blau-grüne, schwarze, schwarze mit Punkten, große, kleine, rote, Trompetenfische und und und...

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Am zweiten Schnorcheltag waren Delfine in der Bucht. Spinnerdelfine, sie heißen so, weil sie sich kunstvoll um sich selber drehen. Man wird durch Schilder darauf hingewiesen, dass man nicht mit den Delfinen schwimmen soll, da es sie stört. Dass die Delfine von sich aus zu den Schnorchlern schwammen, war sowohl vom Strand aus zu beobachten als auch Kyras und Nobbis Beobachtung, die beim Schnorcheln von Delfinen besucht wurden. Ich habe versucht ohne Teleobjektiv welche zu fangen, Kyra und Nobbi, die auf Armeslänge entfernt waren, hatten leider die Unterwasserkamera nicht dabei.

Wir schnorchelten fast jeden Tag, immer morgens, bevor wir uns auf den Weg um die Insel machten. Faszination Wasser, selbst für mich und ich dusche nicht einmal gerne. Das Wasser um Hawaii allein ist eine Reise wert.

International Geograffities
Hawaii, Big Island
part I water



Water, it is all around the island. We swam in it, we paddled on it, we walked through it and we snorkeled.


4.10.2012

Ich bin dann mal weg…

...it’s the law II

Vor fast zwei Jahren verfasste ich die zweiteilige Kolumne „...it’s the law“. Hier in Amerika zu leben und sich keine Gedanken über das Gesetz zu machen, ist gar nicht möglich. Es ist allgegenwärtig. Mit ihm in Konflikt zu geraten ist nicht ratsam, aber schneller passiert, als einem lieb ist.

Es gibt so wahnsinnig viele Regeln, die schon mal schnell im Alltag gebeugt werden, oft ganz aus Versehen. Natürlich lasse ich hier und da mal meine Hunde von der Leine, natürlich gehe ich hier und da mal quer über die Straße, wo kein Fußgängerüberweg ist und natürlich zähle ich an Stoppschildern nicht: one Mississippi, two Mississippi, three Mississippi.

Bisher hatte ich immer Glück und bin noch nie erwischt worden.

Samuel hatte weniger Glück. Zwei Speeding Tickets innerhalb von 8 Wochen. Das traf ihn hart. Speeding hört sich böse an und in diesem Land ist es das wohl auch. Die Strafen: einmal 250$ und einmal 295$. Das muss man akzeptieren.

Nun schwebt ein Damoklesschwert über ihm, er könnte beim nächsten Ticket den kalifornischen Führerschein verlieren. Er gibt sich alle Mühe, sich an jedwede Regel zu halten.

Ich möchte die Speeding Tickets nicht entschuldigen. So sind die Regeln, an die muss man sich halten...

Ende August, Moritz war noch im Lande, dachten die Jungs und ein paar Kumpels: „Machen wir doch mal was Anständiges; Gehen wir wandern!“

Spätjugendliche, meistens Unsinn im Kopf, auf dem Weg des Erwachsenwerdens: Wandern! Was für eine schöne Idee. Kein Blödsinn, kein Alkohol und auch keine sonstigen Drogen!!!!

Ich war überrascht aber begeistert!

Tja, blöd nur, dass es so viele Regeln gibt, an die man sich auch bei ehrenwerten Betätigungen halten muss. Die Jungs suchten sich eine Open Space Preserve, das sind noch keine Naturschutzgebiete, aber doch irgendwie geschützte und mit jeder Menge Regeln versehene Regionen in denen man wandern kann.

Ich muss immer darauf achten, ob Hunde erlaubt sind, oder Fahrräder, ganz selten findet man mal einen Weg, auf dem beides erlaubt ist, dann herrscht Helmpflicht, maximal 15 miles/hour, auch downhill, Leinenpflicht, mal 6 feet long, mal Flexi erlaubt und und und... Bevor man losgeht, muss man alle Schilder studieren und wenn man Pech hat, ist mitten auf dem Wanderweg plötzlich eine Änderung der Regeln, ab hier Hunde oder Fahrrad verboten.

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nach 20 Minuten spazieren sind sie dann doch auf einmal nicht mehr erlaubt


In den ersten Monaten ärgerte es mich maßlos, inzwischen schmunzle ich drüber.

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Ach ja...wir waren bei den Jungs. Sie waren zu siebt und gingen wandern. Und weil es so schön war, der Ausblick so gut, saßen sie auf dem Hügel, schauten nach Westen und beobachteten den Sonnenuntergang.

Das war ein Fehler.

Als sie kurz nach 8 Uhr abends den Park verließen, wartete dort ein Ranger auf sie. 7 Tickets! Der Vorwurf: „Enter preserve after hour!“

Auch das ist nicht erlaubt. Nach Sonnenuntergang ist der Park geschlossen; it’s the law!

Naja, ein ticket für zu spät wandern, das kann ja nicht so schlimm sein. Der Ranger erzählte ihnen, es sei kein Traffic Ticket und die Jungs ärgerten sich zwar, aber eigentlich erschien es allen eher lächerlich, auch mir!

Bis das Ticket mit der Post kam. Das Ticket? Die Tickets! Eins für Moritz, eins für Samuel und auch die anderen fünf erhielten ihre. Ausgestellt vom Superior Court of California. Ein ganz normales Ticket, nur nicht speeding sondern hiking!

238$ in Worten Zweihundertachtunddreißig!!!

238 $ x7=1666 $ (Hätten sie das Gebiet mit dem Auto befahren, hätte wahrscheinlich nur der Fahrer das Ticket bekommen, das wäre deutlich billiger geworden!)

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Mir fehlt da die Balance. Mülldumping und Behindertenparkplatz kosten 1000$, ok!, speeding und hiking sind etwa gleich teuer...kein Wunder, dass die Jugendkriminalität so hoch ist.

Wenn ich für fast Ehrenwertes genauso bestraft werde, wie für Dinge die richtig Spaß machen, dann fällt die Wahl nicht schwer...

Die Sache ist noch nicht zu Ende: Einspruch Euer Ehren! Die meisten Jungs gehen vor den Court und versuchen ihr Glück.

Für mich war der Erhalt des Tickets einer dieser Momente, in denen ich sehr deutlich mit diesem Land und dem System haderte. Bei den Bestraften löste es eher Trotz als Einsehen aus, verständlich!

Ich werde weiter Ceallagh ab leinen, wenn ich keinen Ranger sehe...aber ich fühle mich unter ständiger Beobachtung. Wirklich frei bin ich in Amerika nicht und werde es wohl auch nicht mehr werden.

I miss the balance between lapse and penalty!

Besides I wonder why California is bankrupt…if you pay for little late hiking so much money?…Ah that’s also the answer! Because they have to pay lots of people who track such minor misdeeds.



1.10.2012

Ich bin dann mal weg…

Drifting Away

Wenn wir ein Fotoalbum durchblättern, sehen wir nicht unbedingt die Realität, wir sehen eine mehr oder weniger zufällig zusammengestellte Ansammlung von Momenten aus einer Realität.

Wenn man geschickt ist, kann man diese verbiegen, dehnen und Schwerpunkte setzen, doch in jedem einzelnen Bild bleibt ein kurzer Moment Wahrheit.

Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass sehnsüchtige Heimatfilme auch nicht unbedingt der Realität entsprechen, aber die Moral in ihnen: Sehnsucht, Hoffnung, Liebe! trifft die Sache auf den Punkt.

In der Reihe International Geograffities zeige ich aus meinem persönlichen Fotoalbum einen Heimatfilm ohne geflochtene Zöpfe und Berge, aber dafür mit Kühen und ganz viel Wiese. Realität? Gewiss! Wenn auch nur ein klitzekleiner Teil von ihr.

International Geograffities
Drifting Away




Das Besondere an zu Hause ist einfach die Normalität.

Just a few impressions, what’s really going on you can’t see.



27.9.2012

Ich bin dann mal weg…

Deep Roots Need Lots of Water

Ich war zu Hause, zu Hause in Deutschland.

In erster Linie besuchte ich meinen Vater und traf mich mit meiner Familie. Zwei Tage Aachen gönnte ich mir.

Ich erinnere mich an Gespräche mit meiner Mutter als ich noch zu Hause wohnte, die das Thema HEIMAT hatten. Damals konnte ich wenig damit anfangen. Ein eigenartiger Begriff, mit dem ich lediglich geflochtene Zöpfe und Berge assoziierte. Dass sich das inzwischen geändert hat, ist kein Geheimnis.

Ich traf so viele gute Freunde in so kurzer Zeit, es war eigentlich alles wie immer, nur diesmal war ich mir dessen besonders bewusst. Als ich dort spazieren ging, wo ich am allerliebsten bin, das saftige Grün vor den Augen, der graue vorherbstliche Himmel darüber und tiefe Freundschaft neben mir, spürte ich es ganz deutlich, was es heißt zu Hause zu sein. Das Grün konnte ich in einem Bild festhalten, den Rest hab ich im Herzen.

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zu Hause

Als ich am Mittwoch Morgen in Köln bei Britta aufwachte, mit ihr frühstückte und sie mich dann zum Flughafen fuhr, schüttete es wie aus Eimern. Wir schauten beide aus dem Fenster und lachten. REGEN, soviel Wasser, das ist der Grund, warum unsere Wurzeln hier so tief sind.

In
Rainers Kulturecke konnte man Anfang der Woche das Gedicht von Mascha Kaleko lesen:


Der kleine Unterschied

Es sprach zu Mister Goodwill
ein deutscher Emigrant:
„Gewiß, es bleibt dasselbe,
sag ich nun
land statt Land,
sag ich für Heimat
homeland und poem für Gedicht.
Gewiß, ich bin sehr
happy:
Doch glücklich bin ich nicht.”

Mascha Kaleko


Danke Rainer, dem muss ich nichts mehr hinzufügen!

Sure, I’m happy but
glücklich I will only be zu Haus! The decision is fallen!



14.9.2012

Ich bin dann mal weg…

The Doing is Fine

Epilog

Es ist jetzt genau einen Monat her, dass Britta, Katrin und Clemens die USA verließen. Es geht ihnen gut.

Britta erzählte mir, dass der „deutsche Alltag“ so schnell wieder da ist, dass es fast erschreckend ist. War alles nur ein Traum?

Zum Glück gibt es das Internet. E-mails und skype, auch Facebook, helfen, geknüpfte Kontakte zu pflegen, in Brittas Fall allerdings mit etwas Schwierigkeiten. Sie lebt nun seit einem Monat ohne vernünftiges Internet in Köln, da es ja erst vor zwei Monaten beantragt wurde...so schnell geht das nicht. Deutsche Wertarbeit oder Servicewüste Deutschland? Jedenfalls geht nichts mal eben so und schnell sind wir nur an der Kasse beim Aldi und auf der Autobahn.

Sie schrieb kurze E-mails mit ihrem kleinen schlauen Telefon und dann gibt es ja auch noch Freunde, alte Freunde, die schnelles Internet haben. Da kann man sich zur Not mal einloggen, um Kontakt aufzunehmen.

Warum erzähl ich Euch das? Weil Britta mir etwas geschickt hat, dass ich euch nicht vorenthalten will. Es gab Schwierigkeiten, aber die Freundin mit dem schnellen Internet konnte helfen.

Im August flog Nobbi zum Abschied mit den drei Kölnern noch eine Runde über die Stadt. Die atemberaubende Nebelwelle, die so typisch für San Francisco ist, mal von oben zu sehen, ist etwas, dass dringend hier auf dieser Webseite gezeigt werden muss.

Auf der Seite
guest movies im Kolumnenkino findet ihr nun auch Brittas Film:

Fliegen
by Britta


(Da ich es hochgeladen habe, steht dort Bawaygame, es ist aber Brittas Werk!!! Danke für die Erlaubnis zur Veröffentlichung)


Dear Britta, I watched it already thirty times. The music is great and the views are stunning. Good job, thanks a lot! We should think about cooperation. Britta, as German Eye or something like that ;-)



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